
… ist immer gut, ‘ne? Insbesondere in Pandemie-Zeiten. Wie die meisten anderen habe ich mich in den vergangenen drei Wochen in physical distancing geübt (ein so viel besserer Term als social distancing!) und mitverfolgt, wie ein Großteil derer, die ich auf meiner Reise bisher kennen gelernt habe, den Weg nach Hause angetreten ist. Natürlich habe auch ich mich gefragt, ob die derzeitige Lage das vorzeitige Ende meines Canada-Traums bedeuten muss, und bin vorerst zu dem Schluss gekommen, (auf dem privilegierten Boden meiner Ersparnisse) zunächst hier zu bleiben.
Gestern habe ich dann out of the blue eine Rückmeldung auf eine meiner Bewerbungen bekommen und helfe jetzt, Mitarbeiter*innen eines Rehabilitationszentrums täglich auf Corona-assoziierte Symptome zu befragen und Fieber zu messen. Hier ist es jetzt vier Uhr am Nachmittag, ich bin heute Nacht um halb vier aufgestanden, um meine Schicht um sechs anzutreten. Das Gehalt kann meine laufenden Kosten decken, das Risiko ist sicher nicht null, ich kann vor lauter Desinfektion aber schon durch meine Hände durchgucken und als Ärztin in Deutschland würde ich mich auch exponieren. Ich bewerbe mich weiter, ewig wollte das ja niemand machen.*
* Gerade mit meinen Mitbewohnern geredet: Gestern noch war es okay, heute kriegen sie kein Auge mehr zu. Ich kündige also. Und sie versuchen sowieso, zu Anfang Mai zusammenzuziehen, ohne noch Mitbewohner zu brauchen. Durchatmen. Alles wird gut. So ein Scheiß.

Kaum vorstellbar, dass ich am Tag nach meinem letzten Blogeintrag noch einen Trip nach Vancouver Island unternommen habe. Am selben Tag hatte ich noch eine Probeschicht in einem Café hier um die Ecke, vier Tage später ein weiteres Vorstellungsgespräch in einem Café. Ein paar Tage später wurden beide Angebote zurückgezogen, natürlich.
Ich bin dankbar für die wunderbare Erfahrungen auf der Insel und konnte die zweieinhalb Tage in vollen Zügen genießen. Meine Hostel-Erfahrung in Victoria, der Hauptstadt British Columbias by the way, war zwar nicht so der Hit; dafür bin ich am Tag darauf nach einem Wiedersehen mit Alba (die inzwischen auch wieder in Deutschland ist) im wunderschönen Beacon Hill Park gewandert, habe den Strand erreicht, mit einem Paraglider gequatscht, einen riesigen Weißkopfseeadler aus der Nähe bewundert, in Erinnerungen an die stürmische Fährüberfahrt im goldenen Sonnenuntergang geschwelgt. Tags darauf fahre ich mit Robert knapp zweieinhalb Stunden bis nach Port Renfrew und dass mich der wilde Botanical Beach mit seinen artenreichen natürlichen Wasserbecken und ungestümen Gezeiten faszinieren würde, war ihm von vornherein klar. Die Rückfahrt durch das Herz der Insel belohnt uns bei schönstem Sonnenschein mit Bergpanoramen vom Feinsten.
Zurück in Vancouver ist dann schnell alles anders, und verfolge ich die Nachrichten aus Deutschland, sind die Parallelen zu den Einschränkungen hier vor Ort zahlreich. Bis gestern also war ich entweder Zuhause (lesend, netflixend, Yoga machend), auf Klopapierjagd (Schlange stehend) oder irgendwo draußen mit wenig Menschen (Hörbücher hörend, den Frühling fotografierend). Mit diesen Bildern beschließe ich heute mein Lebenszeichen: Optimismus und blühendes Leben können wir alle gebrauchen. Take care!


Island Trip 




Victoria 




Beacon Hill Park 


Spiral Beach 




Vegane Käseplatte, mhh 
Juan de Fuca Regional Park 
Botanical Beach 






Natürliche Meeresbecken 

Letzter Tag in Normalität 
Sunset Beach, Downtown Vancouver 
Exploring Kits 







Frontyard Office 



This. 
So sonnig ist’s nun nicht mehr, so insgesamt … 

Blütenpracht 







Foodie back on track 



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